{"id":1616,"date":"2012-12-07T17:39:03","date_gmt":"2012-12-07T15:39:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2012\/12\/07\/zweiundzwanzigste-seniorenweltmeisterschaft-im-schach-ich-war-dabei\/"},"modified":"2012-12-07T17:39:03","modified_gmt":"2012-12-07T15:39:03","slug":"zweiundzwanzigste-seniorenweltmeisterschaft-im-schach-ich-war-dabei","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2012\/12\/07\/zweiundzwanzigste-seniorenweltmeisterschaft-im-schach-ich-war-dabei\/","title":{"rendered":"Zweiundzwanzigste Seniorenweltmeisterschaft im Schach: ich war dabei"},"content":{"rendered":"<p><strong>Bericht von Gerhard Staub<\/strong> :<\/p>\n<p>Zum ersten Mal wurde eine Seniorenweltmeisterschaft der Schachspieler in Bad W\u00c3\u00b6rishofen (Deutschland) ausgetragen. Das war 1991, und erster Seniorenweltmeister wurde kein Geringerer als Wassili Smyslov (Russland), dessen Name bei Schachkennern die Gesichtsz\u00c3\u00bcge unmittelbar in bare Bewunderung verwandelt. Die zweiundzwandzigste WM der Senioren findet vom 13. bis 25.November 2012 in Kamena Vourla statt. Diesen Namen hat wahrscheinlich kaum einer je geh\u00c3\u00b6rt. Es ist ein Urlaubsort knapp zweihundert Kilometer n\u00c3\u00b6rdlich von Athen.<!--more--><br \/>\nGriechenland! Nicht Mutterland des Schachs, aber der abendl\u00c3\u00a4ndischen Kultur, genauer gesagt: des grunds\u00c3\u00a4tzlich zweifelnden Menschen und der Demokratie. Ich habe mich von einem Schachfreund \u00c3\u00bcberreden lassen, an der WM teilzunehmen. Viel M\u00c3\u00bche hatte er damit nicht, denn ich war noch nie in Griechenland gewesen, und Athen, da wollte ich doch mal gern einmal im Leben gewesen sein. Oben auf dem H\u00c3\u00bcgel, wo die Reste der Akropolis zu sehen sind. Griechenland! Das haut mir richtig ins Gehirn. Sokrates, Platon, Alexander der Gro\u00c3\u0178e! Oha! Vorsicht! Gibt es Makedonier oder sind die automatisch Griechen? Alexander ein Grieche? \u00c3\u0153ber den Status Makedoniens gibt es bei Griechen, wie ich in Winnenden h\u00c3\u00b6rte, durchaus verschiedene Auffassungen. Lassen wir das.<br \/>\nDer Shuttlebus holt uns vom Flughafen ab. Ich kann sein Alter schwer einsch\u00c3\u00a4tzen. Sehr schwer. Die Toilettent\u00c3\u00bcr im Bus steht auf rot. Mir wird\u00e2\u20ac\u2122s mulmig. Was ist wenn\u00e2\u20ac\u00a6? Senior im Schach ist man im Prinzip ab dem sechzigsten Lebensjahr (Seniorinnen ab 50). Und die WM kann im Prinzip jeder mitspielen, er muss nicht mal Schach spielen k\u00c3\u00b6nnen, jedenfalls wird kein Nachweis dieser F\u00c3\u00a4higkeit verlangt. Bedingungen gibt es keine. Dementsprechend sieht das Teilnehmerfeld aus. Da ist der kleine Kreis der absoluten Spitzenspieler, der sogenannten Gro\u00c3\u0178meister, und dort tummeln sich die Schachfreaks, die grade mal eine Grundstrategie beherrschen, will sagen: Kreisliganiveau spielen. Jeder Fussballfan wei\u00c3\u0178, was das bedeutet.<br \/>\nAn der Weltmeisterschaft in seinem Lieblingssport, und das als Amateur, teilnehmen zu k\u00c3\u00b6nnen, ist vermutlich der Traum jedes Sportinteressierten. F\u00c3\u00bcr Schachspieler wird dieser Traum wahr, wenn man bereit und in der Lage ist, konkret f\u00c3\u00bcr 2012 gesprochen, nach Kamena Vourla zu reisen. Die WM der Senioren findet j\u00c3\u00a4hrlich statt. Jetzt, Anfang sechzig, wenn man noch einigerma\u00c3\u0178en fit und die Gehirnzellen noch nicht zur G\u00c3\u00a4nze eingefroren sind, so mein Schachfreund aus Eppingen, jetzt also m\u00c3\u00bcsse man die Sache angehen, unbedingt, jedenfalls, wenn man noch was rei\u00c3\u0178en und gewinnen wolle. So ganz billig ist die Angelegenheit indessen nicht. Um die zweitausend Euro muss man einplanen. Ich kann und will nicht nein sagen. Wir kennen uns schlie\u00c3\u0178lich seit Kindheits- und Jugendtagen im Schachverein des derzeitigen Bundesligisten Eppingen (Nordbaden), dessen Bundesligateam er managt und auch finanziell unterst\u00c3\u00bctzt.<br \/>\nDie nahezu dreist\u00c3\u00bcndige Busfahrt ist f\u00c3\u00bcr mich einigerma\u00c3\u0178en ern\u00c3\u00bcchternd. Ich hatte ja keine Vorstellung von Griechenland. Die Autobahn geht von Athen bis nach Kamena Vourla, unserm Zielort nahe den ber\u00c3\u00bchmten Thermopylen. Diesiges Regenwetter. Daf\u00c3\u00bcr kann Griechenland nichts. F\u00c3\u00bcr die Schuldenkrise schon eher. Fast die gesamten vierzehn Tage wird es regnen. Die Rache der Griechen an uns Deutschen? Ich denke melancholisch an mein Lieblingsreiseland Italien. Hier links und rechts kahle Berge, wie geschoren, nackt, blo\u00c3\u0178, kalt. Au\u00c3\u0178erdem immer wieder in der Landschaft verrottete Geb\u00c3\u00a4ude, Ruinen, mitten im Aufbau abgebrochen, rostiges Gest\u00c3\u00a4nge in der Weite der Ebene, zerfledderte Werbetr\u00c3\u00a4ger auf hohen S\u00c3\u00a4ulen. Unterirdisch! Armes Griechenland! Jetzt versteh ich! Ich erinnere mich an Alexis Sorbas, den schicksalergebenen Taugenichts im verfilmten Roman, sechziger Jahre, Schwarzwei\u00c3\u0178, Antony Quinn. Hat das was mit den heutigen Griechen zu tun? Ich wei\u00c3\u0178 es nicht. Keine Ahnung!<br \/>\nAm n\u00c3\u00a4chsten Tag beginnt das Turnier. Die Auslosung will es: ich sitze am ersten Tisch, am ersten Brett, ich spiele gegen den Turniervavoriten. Mir f\u00c3\u00a4hrt so was von der Schreck in die Glieder. Das muss doch nicht sein, gleich in der ersten Runde! Ich armes Schwein, Gelegenheitsspieler auf unw\u00c3\u00bcrdigem Niveau, gegen den Gro\u00c3\u0178meister Vaisser aus Frankreich, der Spieler im Turnier mit der h\u00c3\u00b6chsten Elozahl (so hei\u00c3\u0178t die Leistunsgziffer, benannt nach ihrem Erfinder, einem ziemlich cleveren Mathematiker, eine Zahl, die ziemlich exakt die derzeitige potentielle Spielst\u00c3\u00a4rke anzeigt, potentiell, weil man ja den Gesundheits- respektive Geisteszustand nicht unbedingt wissen kann). Mehrfach purzeln meine Figuren auf dem digitalen Schachbrett um, weil meine Hand vor Aufregung zittert. Die ersten acht Bretter sind digital verdrahtet, damit die Partien direkt ins Internet \u00c3\u00bcbertragen und dort aktuell zeitgleich verfolgt werden k\u00c3\u00b6nnen. Mein Gegner nimmts gelassen, bittet mich nur, die Figuren m\u00c3\u00b6glichst exakt in die Mitte der Felder zu platzieren, weil er aufgrund eines Augenleidens M\u00c3\u00bche habe, die Stellung zu registrieren. Man siehts. Seine Augen sind wie tr\u00c3\u00a4nende Gl\u00c3\u00a4ser. Er lebt in Frankreich, emigrierter Russe, wie so manch andrer Spitzenschachspieler aus Russland, etwa Boris Spasski, der legend\u00c3\u00a4re Gegner von Bobby Fischer in Reijkjavik 1972.<br \/>\n\u00c3\u0153berhaupt stellt Russland das gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te Kontingent aller Teilnehmer. Erstaunlich die nationale Vielfalt. Von den knapp \u00c3\u00bcber hundert Teilnehmern stammen knapp vierzig aus verschiedenen Staaten des Planeten. Aus S\u00c3\u00bcdamerika kommt ein Brasilianer \u00e2\u20ac\u201c begleitet von der Ehefrau -, der allerdings bald den allerletzten Tisch, Nummer 53, f\u00c3\u00bcr sich gepachtet hat, ein Venezulaner, ebenfalls ehefraulich abgesichert, aus Nordamerika ein Amerikaner, ein Kanadier. Von der Gegenseite der Erdkugel kommen welche aus Australien, Neuseeland usw. Die meisten nat\u00c3\u00bcrlich aus Westeuropa. Aus Deutschland mehr als zehn Teilnehmer.<br \/>\nIch halte dagegen. Der Gro\u00c3\u0178meister gr\u00c3\u00bcbelt. So leicht macht mich der nicht weg. Ich habe die weissen Steine. (\u00e2\u20ac\u017eSteine\u00e2\u20ac\u0153 sagt man auch anstelle von \u00e2\u20ac\u017eFiguren\u00e2\u20ac\u0153)Mit Weiss spielt es sich leichter. Ich habe Ausgleich bis fast zum zwanzigsten Zug. Dann passiert, was eben immer passiert, wenn ein Amateur gegen einen Gro\u00c3\u0178en spielt. \u00e2\u20ac\u017eA Blunder\u00e2\u20ac\u0153 sagen die Angelsachsen. Ein Aussetzer mit fatalen Folgen. Die alten Heroen bis zum letzten Tisch sind mit erbarmungslosem Siegeswillen bei der Sache. Geschenke, etwa aus physischer Schw\u00c3\u00a4che, gibt es beileibe nicht. Nicht mal am letzten Spieltag. Kaum eine Partie, die nicht bis zum bitteren Ende ausgespielt w\u00c3\u00bcrde. Ab und an gibt es Streit. Die Schiedsrichter eilen herbei. Versuchen g\u00c3\u00bctlich zu schlichten. \u00c3\u201eltere Herrschaften sind zuweilen halsstarrig und auch streits\u00c3\u00bcchtig. Im Gro\u00c3\u0178en und Ganzen geht es sehr gesittet zu. Einige sind zum x-ten Mal bei Weltmeisterschaften. Ein deutscher Kollege aus Koblenz verr\u00c3\u00a4t mir: das elfte Mal in Folge! Er muss also \u00c3\u00bcber siebzig sein.<br \/>\nDienstag, Mittwoch, Donnerstag. Diesiges, regnerisches Wetter. Griechenland hab ich mir anders vorgestellt. Zum Gl\u00c3\u00bcck hab ich einen Pullover dabei. Der Ort wie ausgestorben. Am Ufer entlang St\u00c3\u00bchle, Tische, St\u00c3\u00bchle, Tische. Alle unbesetzt. Niemand zu sehen. Einige vereinzelte einsame Angler. Hupende Autofahrer. Wer sich kennt, das hab ich verstanden, hupt sich zu. Man kennt sich. Der Fernseher. Der Fernseher im Hotelzimmer. Das ist die Rettung! Ich suche die Fernbedienung. Einschalten. Der Fernseher ist ein Modell achtziger Jahre. Ein Monster. Aber kein deutscher Sender. Nicht mal einen englischsprachigen. Man werde der Sache nachgehen, sagt man uns aufgrund unsrer Beschwerde an der Rezeption, ja, man werde die Sch\u00c3\u00bcssel ausrichten lassen. Eine Woche lang tut sich nichts. Aber dann! Wenigstens funktioniert danach das ZDF. Mit dem zweiten sieht man besser, hoppla. Schalke in der Championsliga. Immerhin. Versuche, ins Internet vorzudringen, scheitern ebenfalls kl\u00c3\u00a4glich. Empfangsrate zu schwach. Wir spazieren die K\u00c3\u00bcstenstrasse hinauf, hinab. So vergehen die Tage.<br \/>\nAm Abend treffen wir einen Schachspieler aus T\u00c3\u00bcbingen. Weder ich noch mein Schachfreund aus Eppingen hatten dran gedacht, ein Schachspiel mitzunehmen. Wozu? Auf einer WM wird es doch wohl Schachbretter geben? Weit gefehlt. Am Abend war alles abgesperrt, ausgesperrt, weggeschlossen. Der T\u00c3\u00bcbinger hatte ein Plastikbrett mit vierundsechzig Feldern dabei. Eines, das man normalerweise vor Ekel in den M\u00c3\u00bclleimer st\u00c3\u00bclpen w\u00c3\u00bcrde. Aber in dieser Notlage? Ein Geschenk der G\u00c3\u00b6tter! Es war verdreckt und krumm und gewellt wie das griechische Meer, aber brauchbar. Wenigstens konnte man sich den Abend mit Blitzschach verk\u00c3\u00bcrzen.<br \/>\nUnsre Leistung in den ersten Runden: nicht rekordverd\u00c3\u00a4chtig, aber ansehnlich. Vorne die \u00c3\u00bcblichen Verd\u00c3\u00a4chtigen. Bald wird es einen \u00c3\u0153berraschungsf\u00c3\u00bchrenden aus D\u00c3\u00a4nemark geben. Danish Dynamite! Man gr\u00c3\u00bc\u00c3\u0178t sich inzwischen. Den und jenen kennt man jetzt also. Ein freundliches Kopfnicken. Ein mildes L\u00c3\u00a4cheln. Ein Augenzwinkern. Manche Spieler sind eigenartig. Einer tr\u00c3\u00a4gt ein rotes Barett, eine kakifarbene Kampfhose. Er erkl\u00c3\u00a4rt mit \u00c3\u00bcberlauter Stimme die Umst\u00c3\u00a4nde des kalten Krieges, Stalin, Mao, Hitler, Eiserner Vorhang, Marshallplan. Alles mit pl\u00c3\u00a4rrender lauter Stimme. Insbesondre zu den M\u00c3\u00a4dels aus dem Organisationsteam, zwei H\u00c3\u00bcbschen, einer ganz Lieben, und einer Mond\u00c3\u00a4nen, die als Aphrodite auftreten k\u00c3\u00b6nnte, dem Meer entsteigend, hallo, jetzt geht die Phantasie mit mir durch. Ein andrer hinkt hinter seinem Gehstock her, den er bei jedem Schritt wie eine Waffe in den Fu\u00c3\u0178boden rammt und lehnt jedes Remisgebot grunds\u00c3\u00a4tzlich ab. Am vierten Abend im Foyer gegen halb zehn: der T\u00c3\u00bcbinger, mein Schachkollege und ich. Blitzschach (jeder Spieler hat maximal f\u00c3\u00bcnf Minuten f\u00c3\u00bcr die gesamte Partie).Der Sieger bleibt sitzen. Der T\u00c3\u00bcbinger ist ein Blitzschachexperte. Er bleibt oft sitzen. Bald sind wir von einer Traube Neugieriger umringt. Darunter drei Spieler aus Kasachstan. Sie wollen unbedingt auch mal spielen, und zwar gegen unsren T\u00c3\u00bcbinger. Sie spielen grottenschlecht. Aber sie spielen mit einer kindlichen Freude. Wunderbar! Wir lachen viel. \u00c3\u0153ber Z\u00c3\u00bcge, die furchtbar daneben sind und \u00c3\u00bcber erstaunliche tricky \u00c3\u0153berraschungen. Herrlich! So vergeht die Zeit.<br \/>\nAm Dienstag der einzig spielfreie Tag. Wir haben uns f\u00c3\u00bcr den Trip nach Athen angemeldet. Akropolis! Verdammt noch eins, ich muss die Akropolis sehen! Der F\u00c3\u00bchrer ist ein deutschsprachiger Grieche, in Deutschland aufgewachsen. Wir gehen bergauf. Zun\u00c3\u00a4chst nur Hunde. Sie liegen \u00c3\u00bcberall herum. Schlafend nat\u00c3\u00bcrlich. Man sieht Athen. Ausblick \u00e2\u20ac\u201c sagen wir mal: Panorama. H\u00c3\u00a4user bis zum Horizont. Der F\u00c3\u00bchrer, ein sympathischer Mensch, erkl\u00c3\u00a4rt uns, dass Athen vor f\u00c3\u00bcnfzig Jahren noch eine kleine Stadt war und jetzt fast die halbe griechische B\u00c3\u00bcrgerschaft beherbergt. Das hei\u00c3\u0178t, 3,5 Millionen von zehn millionen Griechen. Merkw\u00c3\u00bcrdig! Man stelle sich das mal umgerechnet f\u00c3\u00bcr Deutschland vor! Wowi (Wowereit), Berlins OB w\u00c3\u00bcrde sich da so was von aufplustern!<br \/>\nDer Blick hinauf zur Akropolis ist aufs erste entt\u00c3\u00a4uschend. Man stellt sichs gewaltiger vor. Man sieht nur ein paar Mauern, einige S\u00c3\u00a4ulen, nichts sonst. Aber je n\u00c3\u00a4her man herankommt, desto kleiner wird man. Was haben diese Baumeister geleistet? Unvorstellbar! Und das auch noch in solch kurzer Zeit! Keine zehn Jahre soll der Bau gedauert haben. Im Akropolismuseum wird man genau informiert. Das Museum ist ein Meisterwerk in sich selbst. International pr\u00c3\u00a4miert.<br \/>\nNach neun Runden f\u00c3\u00bchrt der D\u00c3\u00a4ne, \u00c3\u00bcberraschend, vor Vaisser. Seit Tagen Regen. Es sch\u00c3\u00bcttet wie aus K\u00c3\u00bcbeln. Die meisten ziehen sich ins Hotelzimmer zur\u00c3\u00bcck. Man bereitet sich auf den n\u00c3\u00a4chsten Gegner vor. Das Labtop ist daf\u00c3\u00bcr unentbehrlich. Er\u00c3\u00b6ffnung, Er\u00c3\u00b6ffnungsvariante. Alles in Datenbanken gespeichert, die allgemein abrufbar sind. Hunderttausende von Partien. Eingabe des Gegnernamens im Suchfeld. Wer \u00c3\u00bcber diese Technik nicht verf\u00c3\u00bcgt, ist erheblich im Nachteil. Aha! Vor zehn Jahren spielte er grunds\u00c3\u00a4tzlich Sizilianisch mit zweitens e6. Mittlerweile auch andre Varianten. Gef\u00c3\u00a4llt mir nicht, spiele ich lieber erstens Springer nach f3. Soll er doch sehen, wo er bleibt, ohne seinen Sizilianer! Abends nach der Partie l\u00c3\u00a4dt man seinen genialen Berater, das Analyseprogramm, die meisten verf\u00c3\u00bcgen \u00c3\u00bcber Fritz zehn oder elf oder zw\u00c3\u00b6lf. Die Profis benutzen zur Zeit das Analysemodul Rybka. Der seelenlose Meisterspieler entdeckt jeden noch so kleinen Fehler, ber\u00c3\u00a4t, macht Vorschl\u00c3\u00a4ge. So h\u00c3\u00a4tte man also in Vorteil kommen, so die Niederlage vermeiden k\u00c3\u00b6nnen. Manche b\u00c3\u00b6se \u00c3\u0153berraschung! Nicht gesehen! Zum Gl\u00c3\u00bcck auch nicht der Gegner! In Vorcomputerschachzeiten waren diejenigen bevorteilt, die sich einen Schachtrainer leisten konnten, heute verf\u00c3\u00bcgt jeder \u00c3\u00bcber den welbesten Trainer, f\u00c3\u00bcr Peanuts, anspruchslos schlummernd im Arbeitsspeicher des PC.<br \/>\nVor der letzten Runde \u00e2\u20ac\u201c es regnet immer noch ohn Unterlass \u00e2\u20ac\u201c f\u00c3\u00bchrt der \u00c3\u0153berraschungsmann aus D\u00c3\u00a4nemark, der sechzigj\u00c3\u00a4hrige Jens Kristiansen, also einer der j\u00c3\u00bcngeren Senioren. Das mag f\u00c3\u00bcr seinen Erfolg eine Rolle spielen. Er ist ein h\u00c3\u00bcnenhaft gro\u00c3\u0178er Bursche, der in den Pausen schon mal mit einer altmodischen Pfeife zu sehen ist. Im Gegensatz zu seiner palmend\u00c3\u00bcrren Gestalt n\u00c3\u00a4hert sich der Turnierfavorit Vaisser der geometrischen Idealform der Kugel. Aber das macht ihn nicht weniger sympathisch.<br \/>\nDer D\u00c3\u00a4ne besiegt den Tschechen Jansa, nachdem er am Vortag knapp eine Niederlage gegen Vaisser vermeiden konnte. Letzte Runde: Auch gegen den Kroaten Miso Cebalo, bekannt f\u00c3\u00bcr sein filigranes Positionsspiel, mit dem er mir in Runde sieben eine Lehre erteilte, h\u00c3\u00a4lt der D\u00c3\u00a4ne anscheinend m\u00c3\u00bchelos remis. Das reicht. Mit einem halben Punkt Vorsprung gewinnt er das Turnier. Belohnung: 2300 EuroSiegpr\u00c3\u00a4mie, Pokal und Gro\u00c3\u0178meistertitel. Erw\u00c3\u00a4hnenswert: Gro\u00c3\u0178meistertitel sind nicht nur Zierrat, sie haben konkret finanziellen Effekt. GMs leben auf Turnieren in der Regel kostenfrei. Manchmal erhalten sie auch ein Startgeld.<br \/>\nSiegerehrung: Die Siegerin im Turnier der Damen stammt aus Russland. Wie auch anders. Man spielt die russische Nationalhymne. Alles erhebt sich ehrfurchtsvoll. Nein, ich bin nicht im falschen Film. Wir sind schlie\u00c3\u0178lich auf einer Weltmeisterschaft. Rituale inbegriffen. Der d\u00c3\u00a4nische Sieger bekommt die d\u00c3\u00a4nische Hymne, eine melancholischtragische Hymne. Mir kommen beinah die Tr\u00c3\u00a4nen. Ende gut, alles gut. Ich bin entsetzlich froh, dass es jetzt vorbei ist. Elf Runden Schach, f\u00c3\u00bcr manche zu wenig, f\u00c3\u00bcr mich die H\u00c3\u00b6lle. Mein Ergebnis: f\u00c3\u00bcnfzig Prozent, Platz 44.<br \/>\nSonntag, 25.11.2012, um 8.30 Uhr mit dem Busshuttle nach Athen. Drei Stunden. Einchecken, warten, drei Stunden Flug nach Frankfurt, auschecken. Autofahrt nach Hause, daheim in Winnenden um 19.15 Uhr am Sonntagabend. In die Kneipe. Ein Hefeweizen, bitte! Frisch gezapft! Das Leben kann so sch\u00c3\u00b6n sein!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht von Gerhard Staub : Zum ersten Mal wurde eine Seniorenweltmeisterschaft der Schachspieler in Bad W\u00c3\u00b6rishofen (Deutschland) ausgetragen. 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