{"id":1807,"date":"2013-08-01T20:13:51","date_gmt":"2013-08-01T18:13:51","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2013\/08\/01\/mannschaftssenioren-europameisterschaft\/"},"modified":"2013-08-02T17:54:12","modified_gmt":"2013-08-02T15:54:12","slug":"mannschaftssenioren-europameisterschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2013\/08\/01\/mannschaftssenioren-europameisterschaft\/","title":{"rendered":"Mannschaftssenioren-Europameisterschaft"},"content":{"rendered":"<p style=\"clear: both; text-align: center\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/dresden.jpg\" alt=\"dresden\" style=\"border: 1px solid gray; float: none\" \/><\/p>\n<p><strong>Schach in Dresden 2013 &#8211; ein Reisebericht von Gerhard Staub!<br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Dresden ist eine Stadt. Eine sehr sch\u00c3\u00b6ne Stadt. Wenn man nicht grade bombardiert wird, ist es am Elbufer sehr sch\u00c3\u00b6n. Schach ist ein Spiel. Wenn man gewinnt, ist es ein sch\u00c3\u00b6nes Spiel. Man kann aber auch verlieren. Und man kann ganz schrecklich verlieren, also gleichsam, wie wenn eine Bombe einschl\u00c3\u00a4gt. Dann bezweifelt man das \u00e2\u20ac\u201c von wegen und sch\u00c3\u00b6nes Spiel. Und wenn man in Serie verliert, ist man sich von Spiel zu Spiel sicherer: Das Schachspiel hat der Teufel erfunden oder irgendein Nordl\u00c3\u00a4nder, ein D\u00c3\u00a4ne, Norweger, Engl\u00c3\u00a4nder, ja, ja. Ich wei\u00c3\u0178, wovon ich rede. Ich habe, und das eben gegen  diese Nordischen, f\u00c3\u00bcnf Mal in Folge verloren. Das geht nicht? Im Prinzip nicht, ist aber auch schon den ganz Gro\u00c3\u0178en passiert, Taimanov gegen Bobby Fischer und Bent Larsen desgleichen. <!--more-->Gut, meine Gegner waren wie ich \u00c3\u015360 und hatten allesamt keinen Gro\u00c3\u0178meistertitel. Die meisten kamen aus dem erzdunklen Norden, aus Norwegen, Schweden, aber auch aus Mittelerde (D\u00c3\u00a4nemark), dem verregneten England und dem vom Untergang bedrohten (Wasserspiegel!) Holland. Komischerweise dachten sie, ich bin ein Opfer oder w\u00c3\u00bcrde mich jedenfalls dazu besonders gut eignen. Vielleicht liegt es daran, dass moderne Menschen an die Wahrhaftigkeit von Zahlen glauben. Elo 2090 \u00e2\u20ac\u201c der kann ja wohl gar nix! Das Problem dabei ist: Die haben ja recht. Ich t\u00c3\u00a4usche eine Spielst\u00c3\u00a4rke nur vor. In Wahrheit kann ich nicht mal mattsetzen. Au\u00c3\u0178erdem k\u00c3\u00b6nnen \u00c3\u00a4ltere Menschen einen Vernichtungswillen entwickeln, das glaubt man gar nicht. Jedenfalls ich habe das untersch\u00c3\u00a4tzt. Und ich war Teil der Mannschaft, die der SC Eppingen zur Seniorenmannschaftsmeisterschaft nach Dresden schickte.<br \/>\nIm Dresdner Ramada-Hotel (das Hotel hei\u00c3\u0178t wirklich so und hat mit dem Ramadan absolut gar nix zu tun -es handelt sich wohl um eine Hotelkette dieses Namens), auf der Leubnitzer H\u00c3\u00b6he oberhalb Dresdens, finden traditionell gro\u00c3\u0178e Schachturniere statt. In diesem Jahr auch die Mannschaftsmeisterschaften der Senioren, an der sowohl Nationalteams als auch Vereinsteams teilnehmen k\u00c3\u00b6nnen. Zum ersten Mal meldete der SC Eppingen ein Seniorenteam, angef\u00c3\u00bchrt vom J\u00c3\u00bcngsten im Seniorenteam, dem Leipziger GM Lothar Vogt, der schon lange \u00e2\u20ac\u201c Teammanager Hans Dekan und er lernten sich kurz nach der \u00e2\u20ac\u017eWende\u00e2\u20ac\u0153 1990 kennen &#8211; f\u00c3\u00bcr uns in der Bundesliga spielt. Dahinter sollten wir vier Stammspieler der Eppinger Seniorenmannschaft, Toni Sandmeier, Hans Dekan, ich, G.Staub, und Rudi Striebich, unser Stammes\u00c3\u00a4ltester, uns abwechseln. Von den 71 gemeldeten Teams rangierten wir \u00e2\u20ac\u201c vor allem wegen der hohen Performance von Lothar  &#8211;  auf Startrang 15, 15 von 71, das war schon eine Hypothek! F\u00c3\u00bcnfzehnter musst du erst mal werden! Unser Plan war simpel: GM Vogt w\u00c3\u00bcrde \u00e2\u20ac\u201c neben einigen Remispunkten &#8211; den ein oder anderen vollen Punkt am Spitzenbrett holen, fehlten also nur noch 1,5 aus drei zum Erfolg. Drei Remis k\u00c3\u00b6nnten ab und an also zum  Sieg reichen. Das Konzept war von solch zwingender Logik, dass die Gegner sich ihr anfangs auch wie selbstverst\u00c3\u00a4ndlich unterwarfen.<br \/>\nSamstagmittag gings los mit einer Zerenomie \u00e2\u20ac\u201c die Nationalflaggen wurden hereingetragen und eine junge Dame geigte Klassisches. Sehr edel! Im \u00c3\u00bcbrigen: Die Spielbedingungen waren ebenso exzellent wie die Organsitation. Gespielt wird mit der sogenannten Fischerzeit, also 90 min f\u00c3\u00bcr die ersten 40 Z\u00c3\u00bcge und 30 min f\u00c3\u00bcr den Rest, wobei die Uhr nach jedem Zug 30 sec dazuaddiert, sodass man nicht zwangsl\u00c3\u00a4ufig die Zeit \u00c3\u00bcberschreitet.  Dann startet das Turnier. Norwegen II &#8211; Lothar gewinnt, wir gewinnen, England II &#8211; Lothar gewinnt, wir gewinnen -, dann kommen die D\u00c3\u00a4nen. Die haben die Logik zwar verstanden (Lothar gewinnt), aber nicht vollst\u00c3\u00a4ndig verinnerlicht. Immerhin reicht es f\u00c3\u00bcr uns \u00e2\u20ac\u201c dank eines starken Striebichsieges \u00e2\u20ac\u201c zu einem 2:2. Der n\u00c3\u00a4chste schwere Gegner: Italien. Diesmal haben wir keine Chance. Am Mittwoch hoffen wir auf einen Sieg gegen Schweden II, und lange sieht es gut aus. Hans Dekan macht mit seinem Gegner kurzen Prozess, Lothar Vogt steht auf Gewinn \u00e2\u20ac\u201c oder doch nicht? Sandmeier spielt eine gewonnene Partie doch nur remis. Dann rappelt es m\u00c3\u00a4chtig. An Brett 4 stelle ich einen ganzen Turm ein und Lothar, in klar gewonnener Stellung, stellt Dame gegen Turm ein (sein einziger Patzer im ganzen Turnier). He, Lothar, das war so nicht geplant! Lothar rettet sich wundersamer Weise dank zweier verbundener Freibauern ins Remis, aber damit hei\u00c3\u0178t es nur 2:2. Die Zwischenbilanz kann sich dennoch sehen lassen. Bis auf mein Ergebnis: dreimal in Folge verloren. Eine schlimme Negativserie, und nicht ermutigend f\u00c3\u00bcr das Team. Noch wird meine Verbannung nicht in Erw\u00c3\u00a4gung gezogen. Wir machen eine Stippvisite nach Dresden runter ans Elbufer. Der Blick \u00c3\u00bcber den Fluss, die alte Steinbr\u00c3\u00bccke, das flache Ufer, Elbflorenz, das hat was Beruhigendes, selbst bei flirrender Luft und greller Sonne.<br \/>\nDer Turniersaal ist auf Normaltemperatur konditioniert. Drau\u00c3\u0178en br\u00c3\u00bctet weiter die Sonne. Es gl\u00c3\u00bcht um die 35 Grad. Drinnen wird kompromisslos gespielt. Es gibt keine leichten Gegner, auch weil wir st\u00c3\u00a4ndig im Vorderfeld spielen. Fehler werden gnadenlos bestraft. Daf\u00c3\u00bcr habe ich jetzt erstmal eine Pause. Schlimmer kanns ja nicht mehr kommen. Denkste! Schlimmer geht immer! Den Turniersieg will sich die israelische Nationalmannschaft holen und so kommt es auch, wenngleich knapp. Das deutsche A-Team hat bald keine Chance mehr f\u00c3\u00bcr einen Podestplatz. Es liegt bis zum Schluss nur einen Punkt vor uns, was f\u00c3\u00bcr die Mannen um den diesmal erfolgreichsten Teamplayer, Clemens Werner aus Karslruhe, eine gro\u00c3\u0178e Entt\u00c3\u00a4uschung ist. Was aber ist f\u00c3\u00bcr uns drin? Zwischendurch belegen wir einen einstelligen Tabellenplatz. Am Ende erobert die d\u00c3\u00a4nische Vereinsmannschaft Norresundby sensationell den vierten Platz. Und warum wir nicht? Nun ja, daf\u00c3\u00bcr gibt\u00e2\u20ac\u2122s eine einfache, aber auch sehr traurige Erkl\u00c3\u00a4rung. Der Reihe nach. Lothar spielt alle neun Runden durch. Er verliert keine einzige Partie, muss aber am Ende doch den Anstrengungen insoweit Tribut zollen, als er die entscheidenden K\u00c3\u00b6rner, wie die Radfahrer sagen, zum Siegen nicht mehr hat. Kaum eine Spitzenmannschaft hat sich diesen Kraftakt von neun Runden pro Spieler zugetraut. Bei uns gings nicht anders, was Lothar betrifft. Von uns Vieren hinter Lothar machte mal wieder Hans den Tiger und fra\u00c3\u0178 einige Gegner regelrecht auf. Toni und Rudi holten ihre Punkte wie erwartet. Und dann war da noch das f\u00c3\u00bcnfte Rad am Wagen. Wie war das nochmal mit Serienniederlagen? Ich erw\u00c3\u00a4hne es ungern und m\u00c3\u00b6chte lieber davon erz\u00c3\u00a4hlen, was sich im Turniersaal so alles abspielt. Zum Beispiel in der Begegnung zwischen Norresundby und dem russischen Frauenteam am Spitzenbrett in der Schlussrunde, nachdem wir ungl\u00c3\u00bccklich in der Vorschlussrunde eben gegen diese verfluchten D\u00c3\u00a4nen verloren hatten, vor allem meinetwegen, weil ich eine gewonnene Partie noch wegschenkte, das war, Gott seis geklagt, meine f\u00c3\u00bcnfte Null in Serie: Die Spitzendame Russlands, eine Frau, der man das Lachen oder L\u00c3\u00a4cheln von Kindheit an verboten haben muss, jedenfalls hab ich sie immer nur mit ernststarrer Miene gesehen, \u00c3\u00bcbersah bei materiell besserer Stellung ein simples Matt, worauf sie dem Gegner die Hand reichte, um sogleich ihren Notationszettel, allerdings ohne erkennbare Regung, zu zerkn\u00c3\u00bcllen. Dem D\u00c3\u00a4nen wars egal. Der vierte Platz war noch preisgekr\u00c3\u00b6nt, die Israelis erhielten f\u00c3\u00bcr den Sieg immerhin 1200 Euro. Wir werden sechzehnter. Das ist nicht schlecht. Und ich? &#8211; Ich habe es \u00c3\u00bcberlebt. Ich meine nicht die Niederlagen. Ich erinnere mich dunkel an Heinrich Heines Ballade: \u00e2\u20ac\u017eBelsazar ward aber in selbiger Nacht von seinen Knechten umgebracht.\u00e2\u20ac\u0153<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schach in Dresden 2013 &#8211; ein Reisebericht von Gerhard Staub! Dresden ist eine Stadt. Eine sehr sch\u00c3\u00b6ne Stadt. Wenn man nicht grade bombardiert wird, ist es am Elbufer sehr sch\u00c3\u00b6n. Schach ist ein Spiel. 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