{"id":1897,"date":"2013-10-28T22:30:26","date_gmt":"2013-10-28T20:30:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2013\/10\/28\/1897\/"},"modified":"2013-10-29T20:45:24","modified_gmt":"2013-10-29T18:45:24","slug":"1897","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2013\/10\/28\/1897\/","title":{"rendered":"Schachchampionsleague 2013"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/rhodos20131.jpg\" title=\"\" data-rel=\"lightbox-image-0\" data-rl_title=\"\" data-rl_caption=\"\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/rhodos20131.thumbnail.jpg\" alt=\"rhodos20131.jpg\" \/><\/a>(Europ\u00c3\u00a4ische Schachmeisterschaft der Landesmeister)<br \/>\n<strong>Der Au\u00c3\u0178enseiter Novy Bor aus Tschechien gewinnt vor den hochfavorisierten Teams aus Russland<\/strong><\/p>\n<p>Was dem Fu\u00c3\u0178ball seine Championsleague, ist die Meisterschaft der europ\u00c3\u00a4ischen Spitzenteams, ausgespielt in sieben Runden, f\u00c3\u00bcr das Schach. Bayern M\u00c3\u00bcnchen und Barcelona oder ManU sind hier nicht dabei. Im Schach dominieren die russischen Teams, gespickt mit Weltklassespielern. Aber Weltklasse allein gewinnt nicht. Die griechische Insel Rhodos, ziemlich direkt vor der T\u00c3\u00bcrkei im Mittelmeer verankert, als Ferieninsel bekannt, besonders von Engl\u00c3\u00a4ndern frequentiert, ist Ausrichtungsort. Bekannt auch wegen dem siebenten Weltwunder, dem Koloss von Rhodos, in der Hafeneinfahrt von Rodos ehmals breitbeinig stehend, gut 35 m hoch, erbaut Jahrhunderte vor unsrer Zeitrechnung, \u00c3\u00bcbriggeblieben ist nur die Legende.<br \/>\nDie Verh\u00c3\u00a4ltnisse kommen mir merkw\u00c3\u00bcrdig bekannt vor. Ich erinnere mich an letztes Jahr -Senioreneuropameisterschaft in Griechenland. Auch hier vor dem Hotel, das f\u00c3\u00bcnf Minuten von Rodos entfernt ist, eine Uferpromenade mit dem Charme einer Schotterstra\u00c3\u0178e. Dazwischen eine wild befahrene Ufer\u00e2\u20ac\u0153autobahn\u00e2\u20ac\u0153 nach Rodos und in Gegenrichtung zum Flughafen. F\u00c3\u00bcr Fremde irritierend: Der Blick aufs Meer, das von Stunde zu Stunde seine F\u00c3\u00a4rbung und seine Musterung \u00c3\u00a4ndert, faszinierend, beeindruckend, diese gewaltige Wassermasse, dennoch ruhig ans Ufer brandend, als k\u00c3\u00b6nne nichts die Ewigkeit unterbrechen, das Wasser des Mittelmeers, begrenzt am Horizont durch ein graues kahles Gebirgsmassiv, die K\u00c3\u00bcste der T\u00c3\u00bcrkei.<!--more--><br \/>\nWir gehen am ersten Morgen nach der Ankunft vom Hotel die Stra\u00c3\u0178e am Ufer entlang, es ist Herbst, Saisonende, trostlose Hotelbauten aus Beton, eins neben dem andern, zehn- bis f\u00c3\u00bcnzehnst\u00c3\u00b6ckige Monsterbauten, das gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178te direkt neben unserm, es  steht vollst\u00c3\u00a4ndig leer, bankrott; verlassene Strandpromenaden, Kies, Schotter, M\u00c3\u00bcll, \u00c3\u201este, \u00c3\u0153berreste eines heftigen Sturms vom Donnerstag. Ulrich Gass, mit Lebensgef\u00c3\u00a4hrtin Marion am Donnerstag angereist, erz\u00c3\u00a4hlt es uns. Der Flug muss etwas ungem\u00c3\u00bctlich verlaufen sein. Au\u00c3\u0178erdem ist ihnen ein Koffer verlustig gegangen, den sie zum Gl\u00c3\u00bcck nachgeschickt bekamen. Auf dem Meer einige Segler, immerhin. Es ist Herbst. Nat\u00c3\u00bcrlich ist die Urlaubssaison vorbei. Bald wird auch unser Hotel dicht machen. \u00c3\u0153ber den Winter. Wir freuen uns \u00c3\u00bcber das sch\u00c3\u00b6ne Wetter, \u00c3\u00bcber zwanzig Grad. Alle Restaurants leer. Wir kehren um. Ins Hotel. F\u00c3\u00bcnfzehn Stockwerke, bombastische Eingangshalle. Der Spielsaal hervorragend, im Eingangsbereich, an dem wir die meiste Zeit spielen werden, geradezu tiefgek\u00c3\u00bchlt. Alle Bretter verkabelt f\u00c3\u00bcrs Internet. \u00c3\u00bcberhaupt die Spielbedingungen und die Organisation sehr professionell. Very very good!<br \/>\nDie teilnehmenden deuschen Mannschaften sind reine Amateurteams. Die OSG Baden-Baden, der deutsche Meister, hat auf eine Teilnahme verzichtet. Ungl\u00c3\u00bccklicherweise spielen die Stars der Badener, Vishi Anand und Carlsen um die Weltmeisterschaft und sind deshalb nicht verf\u00c3\u00bcgbar. Ohne sie ist die Chance auf den Gewinn der Teammeisterschaft gleich null. Man wei\u00c3\u0178, dass die Badener das Ziel angestrebt hatten und nun \u00e2\u20ac\u201c aussichtslos im Rennen- ihre Teilnahme insgesamt annulierten. Au\u00c3\u0178er dem Amateurteam aus Eppingen spielen die Solinger und M\u00c3\u00bclheim Nord ohne ihre Profis mit. Also zum Spa\u00c3\u0178. Alles andre w\u00c3\u00a4re ein sehr teurer Spa\u00c3\u0178. Die Eppinger Mannschaft setzt sich aus drei Stammspielern der Verbandsligamannschaft und vier Stammspielern der Landesligamannschaft zusammen, oder anders gesagt, aus drei Senioren, einem Jugendlichen und einigen Normalos.<br \/>\nDie erste Runde fordert uns gleich mal au\u00c3\u0178erordentlich. Ein junges ungarisches Team zerfleddert uns zu einem 0,5:5,5. aber in der zweiten Runde, so scheint es, sind wir die Gl\u00c3\u00bccklicheren- gegen ein Team aus dem Kosovo, das die chaotischen Verh\u00c3\u00a4ltnisse auf dem Balkan in gewisser Weise widerspiegelt (mehr ist dazu nicht zu sagen) . Am Ende lassen wir den m\u00c3\u00b6glichen Sieg liegen und verlieren 2,5:3,5. Das Gl\u00c3\u00bcck ist uns noch nicht hold. Christopher Noe, unser Youngster, 17 Jahre, an Brett 1,  spielt bislang beeindruckend stark. Er zeigt uns in der Nachanalyse mit atemberaubender Geschwindigkeit, was wir h\u00c3\u00a4tten besser machen k\u00c3\u00b6nnen.<br \/>\nDie Aspiranten auf den Turniergesamtsieg machen die Ochsentour. Der Gegner hat zwar keine Chance, aber man muss es ihm beweisen. F\u00c3\u00bcr die Supergro\u00c3\u0178meister subjektiv gesehen eine unangenehme Pflichtsache. Es trifft auch Victor Bologan, der f\u00c3\u00bcr uns in der Bundesliga spielt. Aber Victor ist ein gro\u00c3\u0178m\u00c3\u00bctiger Mensch. Im Speisesaal dr\u00c3\u00b6hnt die Musik aus allen Richtungen. Man versteht sein eigenes Wort nicht. Dann auch noch live musik mit Lautsprechern, dass einem die Ohren wegfliegen. Sp\u00c3\u00a4ter an der Bar, wohin man sich als Eppinger abends selbstverst\u00c3\u00a4ndlich begibt, wummert es aus allen Richtungen, und wo man hinsieht, flimmern Bildschirme mit Mode-Werbung ohne Ende. Griechen, so muss man annehmen, sind unerh\u00c3\u00b6rt leidensf\u00c3\u00a4hig. L\u00c3\u00a4rm, visueller M\u00c3\u00bcll, sie registrieren es anscheinend nicht als Bel\u00c3\u00a4stigung. Wir schon.<br \/>\nDer Barkeeper, ein Grieche, wie man ihn sich vorstellt, mittelgro\u00c3\u0178, mit diesem undurchschaubaren L\u00c3\u00a4cheln oder Grinsen im Gesicht und dem mittig gew\u00c3\u00b6lbten K\u00c3\u00b6rper eines Bauern, bei uns als Bierbauch bekannt, ist ein wahrer Herkules. Er macht seinen Job allein hinter der Theke f\u00c3\u00bcr uns alle bis weit nach Mitternacht und am n\u00c3\u00a4chsten Tag steht er wieder seinen Mann von sp\u00c3\u00a4tmorgens bis ultimo. Sag einer was gegen die Arbeitsmoral der Griechen. (in Deutschland w\u00c3\u00a4re das strafbar wegen extremer Ausbeutung). Aus den Lautsprechern dr\u00c3\u00b6hnt unaufh\u00c3\u00b6rlich Musik. Ich frage mich: haben Griechen einen genetisch bedingten H\u00c3\u00b6rdefekt? Odysseus lie\u00c3\u0178 seinen Gef\u00c3\u00a4hrten die Ohren mit Wachs verstopfen, um sie vor dem schrecklichen Gesang der Sirenen zu sch\u00c3\u00bctzen. Gute Idee! Aber woher jetzt Wachs nehmen? Inzwischen sind wir mit dem Barkeeper ziemlich &#8211; also, er kennt uns. Am zweiten Abend  zeigt er uns ein Bild, auf dem er Arm in Arm mit dem griechischen Arbeitsminister zu sehen ist. Wir dr\u00c3\u00bccken unser tiefes Bedauern f\u00c3\u00bcr die unfreundliche deutsche Angela-Merkel-Politik aus. Ich glaube, er mag uns, trotzdem wir aus Deutschland kommen. Ganz sicher bin ich mir nicht.<br \/>\nDie viehlzahligen \u00e2\u20ac\u017eWachleute\u00e2\u20ac\u0153 im Spielsaal, die f\u00c3\u00bcr Ruhe und daf\u00c3\u00bcr sorgen, dass keine Regelverletzungen vorkommen oder jedenfalls nicht ungeahndet bleiben, machen ihren Job mit gro\u00c3\u0178er Sorgfalt. Es herrscht absolute Schweigepflicht im Turniersaal, aber auch davor ist es st\u00c3\u00b6rend. Ich werde schon wieder zurecht gewiesen. Der Supervisor kennt mich, sogar noch mit Namen: \u00e2\u20ac\u017eMister Staub, silence!\u00e2\u20ac\u0153 sagt er, ich mache eine entschuldigende Geste. Er leitete das letzte Weltmeisterseniorenturnier, das auch in Griechenland stattfand und an dem ich mit Hans Dekan, dem Bundesligateam-Manager, teilnahm . Er l\u00c3\u00a4chelt. Ein netter Mensch.<br \/>\nWir spielen die vierte Runde. Gegen Edinburgh. Einen Sieg haben wir in der Tasche, einmal haben wir ungl\u00c3\u00bccklich, ansonsten \u00e2\u20ac\u201c in der ersten Runde gegen die Ungarn &#8211; klar verloren. Wieder eine knappe Niederlage. Und meine dritte Niederlage im dritten Spiel. Deja vue? In Dresden verlor ich k\u00c3\u00bcrzlich f\u00c3\u00bcnf Spiele hintereinander. Die Gro\u00c3\u0178- und Supergro\u00c3\u0178meister schenken sich im Spitzenfeld nichts. Man kann aberwitzige Zweik\u00c3\u00a4mpfe beobachten. Als Amateur versteht man die Z\u00c3\u00bcge der Weltbesten nicht wirklich. Nur die Schach-Engines rybka, fritz und hidouni, die derzeit bekanntesten, grinsen sich eins, manchmal kommen sie ins Gr\u00c3\u00bcbeln, vielleicht.<br \/>\nUnser Joungster Chris Noe am ersten Brett h\u00c3\u00a4lt uns bislang im Spiel. Am Dienstagabend feiern wir den Sieg von Borussia Dortmund, mittwochabend ist Bayernabend. Wir sitzen zum zweiten Mal in einem Restaurant mit einem dutzend gro\u00c3\u0178formatigen Fernsehbildschirmen rundum. Auf jedem l\u00c3\u00a4uft ein andres Spiel der Championsleague. Gleichzeitig. Nein, ich bin nicht im falschen Film. Ich bin auf Rhodos, Griechenland. Visuell, akustisch ein Land ohne Grenzen und ohne R\u00c3\u00bccksicht auf empfindliche Menschen. Auch andre Schachspieler haben das Lokal aufgesucht, dr\u00c3\u00bcben seh ich Mamedjarow, den derzeitigen, wenn ichs recht wei\u00c3\u0178, Blitzschachweltmeister. Dortmund gewinnt dienstags, Bayern gewinnt am Mittwoch. Die Kneipe gewinnt. Wir gewinnen. Alles gut. Dennoch: ich kenne Orte im Remstal, da ist es unglaublich still und ruhig und man bekommt trotzdem einen guten Wein. Das nur nebenbei.<br \/>\nDie f\u00c3\u00bcnfte Runde beschert uns, wen wunderts, einen an den drei vorderen Brettern \u00c3\u00bcberm\u00c3\u00a4chtigen Gegner, diesmal aus Island. Aber an den Brettern vier bis sechs sollten wir gute Chancen haben. Es beginnt mit einem blackout. Ich stelle im vierten Zug einen Bauern ein, das ist vermutlich Weltrekord. Gern darf man \u00c3\u00bcber mich lachen und ich geb daf\u00c3\u00bcr die Zugfolge an: 1. e4 e6 2.De2 d5 3. ed5 Dd5 4. Sf3 Sc6 5.d4. Ich m\u00c3\u00b6chte das nicht weiter kommentieren.<br \/>\nBeinah schaffen wir noch ein Unentschieden, aber es sollte nicht sein, obwohl Tobias Wenner eine Klassepartie spielt. Wir f\u00c3\u00bcrchten das \u00e2\u20ac\u017ebye\u00e2\u20ac\u0153, hei\u00c3\u0178t: letzter Platz und kampflose Runde. Wir haben diesbez\u00c3\u00bcglich nochmals Gl\u00c3\u00bcck. Aber der n\u00c3\u00a4chste Gegner ist wieder ein Goliath, jedenfalls f\u00c3\u00bcr uns. Ich mache meinen Platz \u00e2\u20ac\u201c wir sind ja mit sieben angereist &#8211;  frei. Eine Frage des Anstands. Au\u00c3\u0178erdem k\u00c3\u00b6nnte ich die Chance nutzen, den Koloss von Rhodos  zu besichtigen.<br \/>\nDie Stars der Spitzenmannschaften hauen sich kr\u00c3\u00a4ftig auf die R\u00c3\u00bcbe. Pardon wird nicht gegeben. Nakamura, Grischuk, Mamedjarov, Topalov und wie sie alle hei\u00c3\u0178en , die Weltklassegro\u00c3\u0178meister, bedingt auch durch die mutige Regel, dass vor dem vierzigsten Zug kein Unentschieden gestattet ist, es sei denn durch Zugwiederholung, spielen bis zum letzten Bauern auf Gewinn. Es kommt zu wahrlich kuriosen Positionen, Turm gegen f\u00c3\u00bcnf Bauern und und der Turm gewinnt.<br \/>\nAm Mittagstisch, vor der n\u00c3\u00a4chsten Runde,  sieht man einige der Supergro\u00c3\u0178meister, vom Kampfgeschehen des vorherigen Mittags wenig gezeichnet, hautnah und zum anfassen. Peter Leko setzt sich immer an den gleichen Tisch am Fenster, begleitet von seiner eindrucksvoll rotlippengeschminkten Frau. Topalov erkennt man ohne hinzusehen an seiner Stimme. Victor Bologan l\u00c3\u00a4chelt milde, wenn er uns sieht. GM Navara reibt sich st\u00c3\u00a4ndig die chronisch tr\u00c3\u00a4nenden Augen. Und Anish Giri erkennt man daran, dass man ihn gar nicht sieht, weil er d\u00c3\u00bcnnner als eine Spindel ist. Man ahnt nur, dass er anwesend ist. Auch gm Svidler hat extrem abgenommen. Der Spitzensport im Schach verlangt enorme k\u00c3\u00b6rperliche Fitnes. Ein Turnier dieser Klasse ist anstrengend. Nicht nur f\u00c3\u00bcr Amateure wie mich. Wir treffen uns abends an der Hotelbar. Gezapftes Bier ist aus. Kein Nachschub in Sicht. Also Flaschenbier. Amstel oder griechisches. Wir trinken nat\u00c3\u00bcrlich griechisches. Jamas! sagt unser barkeeper. Wir verstehen: prost, also: jamas, krabumm die gl\u00c3\u00a4ser (zum wohl!)<br \/>\nEs ist Freitagmorgen. Ulrich Gass l\u00c3\u00a4dt alle zum Minigolfen ein. Wir trotteln r\u00c3\u00bcber, knapp hundert Meter. Der Besitzer hat ein Schild hinterlassen: come back soon. Au weia! Wir sehen uns an, als w\u00c3\u00bcsste jeder, was das zu bedeuten hat: heute noch, diese Woche\u00e2\u20ac\u00a6 aber der freundliche Minigolfherrscher kommt schon nach zehn Minuten. Alsbald stellen wir fest: Unser Minigolfniveau entspricht ziemlich genau unsrem Schachspielverm\u00c3\u00b6gen. Spa\u00c3\u0178 macht es trotzdem! Zur\u00c3\u00bcck im Hotel. Das \u00c3\u00bcbliche babylonisches Sprachgewirr allerorten. Englisch, russisch, ungarisch, d\u00c3\u00a4nisch usw. englisch ist hier vor Ort die zweite (gewisserma\u00c3\u0178en zweite Amts-) Sprache. Die meisten sprechen ein wenig englisch. Deutsch gar nicht. Der Taxifahrer erkl\u00c3\u00a4rts mir: die Engl\u00c3\u00a4nder kommen her, weil hier alles so billig, weil \u00e2\u20ac\u017einclusive\u00e2\u20ac\u0153 ist. Armes England.<br \/>\nIch habe mir heute frei genommen. Nach meinem gestrigen blackout.  Thomas Welz spielt heute eine grandiose Gewinnpartie. Ulrich Gass gewinnt, Tobias Wenner remisiert, Hans Dekan gewinnt. Super! Und ich komme an in Rodos. Der Bus braucht grad mal knapp zehn Minuten. Schl\u00c3\u00a4ngelt sich durch die engen Stra\u00c3\u0178en ins Zentrum, vorbei an Autos, die erst mal die Au\u00c3\u0178enspiegel zuklappen m\u00c3\u00bcssen, damit der Bus vorbeikommt. Man gelangt \u00c3\u00bcber die Marktzeile unmittelbar zur Hafenmeile. Genuss pur! Sollen die sich abm\u00c3\u00bchen am Schachbrett. Hier ist Urlaub, hier ist Rodos, hier hast du keinen Stress!<br \/>\nDie Altstadt von Rodos. Enge Gassen, alle Wege mit kleinen Strandsteinen gepflastert. Ich verschwende keinen einzigen Gedanken an die Schachpartien der sechsten Runde, die grade stattfindet. Rodos hypnotisiert alle Sinne. Die Stadtmauerbefestigung am Meer. Vom Meer kommt der m\u00c3\u00b6gliche Feind. Caro Kann oder Franz\u00c3\u00b6sich? Das Gehirn kannst du nicht abstellen. Es ist eine hohe Mauer. Dahinter fand und findet das Leben statt. In engen Gassen, ein V\u00c3\u00b6lkergemisch von Juden, Moslems, europ\u00c3\u00a4ischen Christen und wer wei\u00c3\u0178 noch wer immer. Damals. Vielleicht kann jetzt einer grad die Verteidigung des Gegners durchbrechen, einen Gewinnzug machen, die Mauer durchbrechen. Das Gehirn abstellen \u00e2\u20ac\u201c Befehl von oben!. Ich wei\u00c3\u0178 ja nicht, was tats\u00c3\u00a4chlich im Hotel, im Spielsaal stattfindet. Ich genie\u00c3\u0178e die historischen \u00c3\u0153berbleibsel auf Rodos. Knipse mit dem handy die Rhodos-Aphrodite, die Kleinausgabe sozusagen, und so manches mehr. Nichts denken, nur sehen! Leicht gesagt.<br \/>\nIn der letzten Runde treffen wir auf eine starke Mannschaft aus Oslo. H\u00c3\u00a4tte nicht sein m\u00c3\u00bcssen. Am Spitzenbrett spielt Simen Agdestein, ein au\u00c3\u0178ergew\u00c3\u00b6hnlicher Schachgro\u00c3\u0178meister, der 1986 Zweiter bei den Jugendweltmeisterschaften wurde, damals vor dem heutigen Weltmeister Vishi Anand. Christopher triffts hart. Nach zwei Niederlagen gegen hochkar\u00c3\u00a4tige Gegner nun noch d i e  Herausforderung. Wenn man Simen Agdestein aufstehen und weggehen sieht, k\u00c3\u00b6nnte man ahnen, welche Sportart er sonst noch betrieben hat: Beine wie der legend\u00c3\u00a4re Litbarski! Also O-beine! Wers nicht glaubt, kanns bei wikipedia nachlesen: Agdestein kam auf acht Eins\u00c3\u00a4tze in der norwegischen Fu\u00c3\u0178ballnationalmannschaft! Chris wehrt sich in einem komplizierten Endspiel, aber es nutzt nichts. Und auch die Mannschaft verliert klar.<br \/>\nChampionsleaguesieger wird ein Au\u00c3\u0178enseiter, mit dem wirklich gar niemand gerechnet hat \u00e2\u20ac\u201c G-Team Novy Bor mit David Navara am Spitzenbrett und auch sonst fast nur Tschechen und Polen im Team. Die favorisierten Mannschaften, mit den aktuell st\u00c3\u00a4rksten Spielern der Welt, Nakamura, Grischuk, Caruana und wie sie alle hei\u00c3\u0178en, gucken in die R\u00c3\u00b6hre. Wir treffen Victor Bologan und Pentala Harikrishna, die f\u00c3\u00bcr Eppingen in der Bundesliga spielen, hier jedoch f\u00c3\u00bcr andere Topteams aktiv sind. Ihre Tour im internationalen Schachkalender geht weiter. Turniere, Hotels, Reisen. Ein Leben aus dem Koffer. Man muss das m\u00c3\u00b6gen, zumindest wollen. Das Turnier hat durchaus Ma\u00c3\u0178st\u00c3\u00a4be gesetzt: alle Partien wurden direkt ins Internet \u00c3\u00bcbertragen und konnten dort live verfolgt werden, Hunderte von Partien! (selbst meine -also unabh\u00c3\u00a4ngig von der Qualit\u00c3\u00a4t!)<br \/>\nWir Eppinger Schachcluberer setzen uns nach der Abschluss- und Siegerehrungsveranstaltung samstagsabend noch zusammen an einen Tisch im Foyer. Ganz zufrieden mit unsrer Leistung sind wir alle nicht. Au\u00c3\u0178er Jonas, der aus privaten Gr\u00c3\u00bcnden schon abgereist ist. Er vers\u00c3\u00a4umt das highlight des n\u00c3\u00a4chsten Tages! Unser Flug: sonntagabend \u00e2\u20ac\u201c Shuttlebus zum Flughafen  18.30 uhr (auch das \u00e2\u20ac\u201c he, gro\u00c3\u0178es Lob! -) perfekt organisiert). Wir haben also einen ganzen Tag, es sind nur f\u00c3\u00bcnf Minuten nach Rodos-city, und wir k\u00c3\u00b6nnen diese historischen Gem\u00c3\u00a4uer in der Alten Stadt genie\u00c3\u0178en. Und ein Mittagessen \u00e2\u20ac\u201c das Leben kann so sch\u00c3\u00b6n sein, wenn man es nicht am Schachbrett verdattelt.  Ulrich Gass f\u00c3\u00bchrt uns zu einem Speiselokal jenseits der Touristenmeile. Karpow hat dort schon \u00c3\u00b6fter getafelt, sagt der Wirt uns und zeigt zum Beweis auf ein Photo an der Wand. Der Wirt erkl\u00c3\u00a4rt stolz, dass er Karpov im Backgammon geschlagen hat. (wie war das noch: Ich habe den Boxer Max Schmeling besiegt (ach was? Wirklich? Ja, im Schach).Ulli kontert milde: er hat schon gegen Karpov gespielt!  Der Kellner ber\u00c3\u00a4t uns im perfekten Deutsch. Zum ersten Mal spricht jemand auf Rhodos zu mir in deutsch. Die zweite Sprache nach griechisch ist hier englisch. (Wieso ist das so, frage ich einen Taxifahrer: ja, sagt er, weil hier alles inclusive ist. Diese Erkl\u00c3\u00a4rung \u00c3\u00bcberzeugt mich nicht ganz. Wieso trifft man dann so wenige Schwaben?) Wieso der Kellner deutsch spricht? Der deutschsprechende Kellner erkl\u00c3\u00a4rt uns, dass er viele Jahre in Deutschland gelebt hat. Die Gastst\u00c3\u00a4tte hat ein zweites Bein in Berlin-Potsdam. Im Winter ist auf Rhodos tote Hose. Kleiner Umzug angesagt. Ah ja, so ist das. Wir sinds mehr als zufrieden. Abflug Rhodos, Landung Stuttgart. Wir finden das geparkte Auto. Parkkosten: 180 Euro. Willkommen daheim!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>(Europ\u00c3\u00a4ische Schachmeisterschaft der Landesmeister) Der Au\u00c3\u0178enseiter Novy Bor aus Tschechien gewinnt vor den hochfavorisierten Teams aus Russland Was dem Fu\u00c3\u0178ball seine Championsleague, ist die Meisterschaft der europ\u00c3\u00a4ischen Spitzenteams, ausgespielt in sieben Runden, f\u00c3\u00bcr das Schach. 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