{"id":865,"date":"2010-05-26T10:36:09","date_gmt":"2010-05-26T08:36:09","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2010\/05\/26\/%e2%80%9ezwolf-tausend-euro%e2%80%a6%e2%80%9c\/"},"modified":"2010-05-26T10:39:15","modified_gmt":"2010-05-26T08:39:15","slug":"%e2%80%9ezwolf-tausend-euro%e2%80%a6%e2%80%9c","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.schachclub-eppingen.de\/blog\/2010\/05\/26\/%e2%80%9ezwolf-tausend-euro%e2%80%a6%e2%80%9c\/","title":{"rendered":"\u00e2\u20ac\u017eZw\u00c3\u00b6lf Tausend Euro\u00e2\u20ac\u00a6\u00e2\u20ac\u0153"},"content":{"rendered":"<p> <strong>&#8211; oder das Protokoll einer vereinsst\u00c3\u00bctzenden Finanzkrise<\/strong><\/p>\n<p>Rund 12 000 \u00e2\u201a\u00ac (einerseits ganz sch\u00c3\u00b6n viel Geld, andererseits auch wieder nicht..) erh\u00c3\u00a4lt umgerechnet  jeder Grieche aus den T\u00c3\u00b6pfen der EU zur Sanierung des hellenistischen Staatshaushalts. Sicherlich ein Zufall, aber genau dieser Betrag fehlte auch dem Schachclub Eppingen kurz vor Schluss der Saison 2009\/2010. Einige G\u00c3\u00b6nner waren im Zuge der Wirtschaftsrezession, die auch vor dem Kraichgau nicht Halt machte, \u00e2\u20ac\u017eweggebrochen\u00e2\u20ac\u0153 und die vereinseigenen Reserven nahezu aufgebraucht. Fachleute sprechen in solchen F\u00c3\u00a4llen verharmlosend und besch\u00c3\u00b6nigend von einer \u00e2\u20ac\u017eUnterdeckung des Etats\u00e2\u20ac\u0153. Wie auch immer, die Vereinsoberen trafen sich deshalb im Fr\u00c3\u00bchjahr mehrfach, um die Clubfinanzen zu beraten. Leider blieben alle Versuche, neue Sponsoren zu finden, ohne Erfolg. <!--more-->Deshalb schlug unser \u00c3\u00bcberaus gewissenhafter Kassierer Wolfgang Geiger Alarm, zumal sich die \u00c3\u0153berweisung zugesagter Gelder zu allem \u00c3\u0153bel auch noch verz\u00c3\u00b6gerte: Wir m\u00c3\u00bcssen die \u00c3\u2013ffentlichkeit  \u00c3\u00bcber unsere Lage informieren! Sein Credo, das schlie\u00c3\u0178lich alle Verantwortlichen \u00c3\u00bcberzeugte, lautete: Wenn in den n\u00c3\u00a4chsten Wochen kein Geld von au\u00c3\u0178en flie\u00c3\u0178t, werden wir nicht umhin kommen, unser Team aus der Bundesliga zur\u00c3\u00bcckzuziehen. Obwohl ich die Unterrichtung der \u00c3\u2013ffentlichkeit scheute wie der Teufel das Weihwasser (wer gesteht schon gerne der Welt ein, dass er nahezu blank ist), wussten wir alle, dass Wolfgang Recht hatte. Bevor ich jedoch das Pressegespr\u00c3\u00a4ch anberaumte, mussten die Vereins- und die Mannschaftsmitglieder  mit einem \u00e2\u20ac\u201c wie ich das Schreiben taufte &#8211; \u00e2\u20ac\u017eBrandbrief\u00e2\u20ac\u0153 \u00c3\u00bcber die Situation in Kenntnis gesetzt werden. Sie sollten keinesfalls aus den Medien unsere Lage erfahren, nein, ich wollte sie selbst dar\u00c3\u00bcber informieren. Fatal w\u00c3\u00a4re zudem, wenn durch eine Spendenaktion das n\u00c3\u00b6tige Geld zusammenk\u00c3\u00a4me, unserer SpielerInnen aber inzwischen bei anderen Clubs angeheuert h\u00c3\u00a4tten. Am Karfreitag (ausgerechnet, nomen est omen..) ging die vereinsinterne Info raus.<br \/>\nIn dieser Phase ereilte mich \u00c3\u0153berraschung Nr. 1: Noch am gleichen Abend reagierten drei Eppinger  Schachfreunde auf den \u00e2\u20ac\u017eBrandbrief\u00e2\u20ac\u0153, indem sie ank\u00c3\u00bcndigten, dass sie zu \u00e2\u20ac\u017ezweckgebundenen Spenden\u00e2\u20ac\u0153 bereit w\u00c3\u00a4ren. Sie w\u00c3\u00bcrden \u00e2\u20ac\u201c je nach individueller finanzieller Situation \u00e2\u20ac\u201c einen Betrag X beisteuern, aber nur, wenn die Mannschaft  weiterhin in der 1. Liga spielt. So kam schnell ein ansehnlicher Sockelbetrag zusammen, dennoch waren wir in dieser Phase Lichtjahre von der ben\u00c3\u00b6tigten Summe entfernt. Und da ich pers\u00c3\u00b6nlich keinen Einheimischen auf der Peleponnes gut genug kenne, um bei ihm eben mal die 12 000 Euro zu pumpen, vereinbarte ich notgedrungen f\u00c3\u00bcr Anfang April ein Pressegespr\u00c3\u00a4ch mit den beiden gr\u00c3\u00b6\u00c3\u0178ten Gazetten der Region. Das Treffen fand Mittwoch nach Ostern in unserem Vereinslokal \u00e2\u20ac\u017eVilla Waldeck\u00e2\u20ac\u0153 statt. Auf dem Weg zum gef\u00c3\u00bchlten Schafott begleitete mich unser zweiter Vorsitzender J\u00c3\u00b6rg Haueisen (\u00e2\u20ac\u017eHaui\u00e2\u20ac\u0153), der in dieser Woche Urlaub hatte. Kurz bevor ich zu dem Pressetermin aufbrach, erlebte ich die \u00c3\u0153berraschung Nr. 2: Ein Unternehmer der Region hatte kurz zuvor bei meiner Frau angerufen und um meinen R\u00c3\u00bcckruf gebeten, was ich auf die Schnelle tat. Seine Botschaft war sehr kurz, daf\u00c3\u00bcr aber umso erfreulicher: Er habe den SCE bislang noch nicht unterst\u00c3\u00bctzt, wolle aber angesichts der entstandenen Situation mit einer (f\u00c3\u00bcr unsere Verh\u00c3\u00a4ltnisse nicht gerade kleinen) Spende helfen. Au\u00c3\u0178erdem k\u00c3\u00b6nne er sich das auch in den n\u00c3\u00a4chsten Jahren gut vorstellen, aber die Details m\u00c3\u00bcssten wir noch in aller Ruhe bilateral besprechen. Nun ging ich schon etwas zuversichtlicher zu dem Treffen.<br \/>\nDas Pressegespr\u00c3\u00a4ch verlief nach meinem Eindruck gut, auch wenn sich \u00e2\u20ac\u017eHaui\u00e2\u20ac\u0153 am n\u00c3\u00a4chsten Tag bei der Zeitungslekt\u00c3\u00bcre \u00c3\u00bcber ein angeblich von ihm stammendes Zitat \u00e2\u20ac\u201c gelinde gesagt \u00e2\u20ac\u201c wunderte und sich flugs an seinen PC setzte, um dies in einem Rundschreiben an alle Mitglieder richtig zu stellen&#8230;<br \/>\nDie Nachricht, dass der SCE aus finanziellen Gr\u00c3\u00bcnden die 1. Bundesliga verlassen k\u00c3\u00b6nnte, schlug in der Region ein wie eine Bombe. Wir Verantwortlichen wurden von zahlreichen Mitb\u00c3\u00bcrgern auf der Stra\u00c3\u0178e immer wieder nach den Hintergr\u00c3\u00bcnden f\u00c3\u00bcr diesen Schritt befragt, wobei die Gespr\u00c3\u00a4che in 99 Prozent der F\u00c3\u00a4lle mit der Feststellung endeten: Das kann und darf ganz einfach nicht sein, die Erfolgsstory der letzten Jahre muss fortgeschrieben werden! Selbst das Stadtoberhaupt, Oberb\u00c3\u00bcrgermeister Klaus Holaschke, bekennender  SCE-Fan und h\u00c3\u00a4ufiger Gast bei den Heimspielen, schaltete sich ein, weil er das Attribut \u00e2\u20ac\u017eBundesliga-Stadt\u00e2\u20ac\u0153  k\u00c3\u00bcnftig auf keinen Fall missen m\u00c3\u00b6chte\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\nDie \u00c3\u0153berraschungen Nr. 3 und Nr. 4 f\u00c3\u00bcr mich bestanden darin, dass zum einen auch solche Mitb\u00c3\u00bcrgerInnen Geld auf das SCE-Konto \u00c3\u00bcberwiesen, die allenfalls peripher etwas mit dem Verein zu tun haben. Au\u00c3\u0178erdem reagierten unerwartet viele Vereinsmitglieder auf den Spendenaufruf, darunter nicht wenige, von denen man es aufgrund ihrer pers\u00c3\u00b6nlichen wirtschaftlichen Umst\u00c3\u00a4nde nicht unbedingt erwarten durfte. Aber sie alle w\u00c3\u00bcrden ihr Geld nur unter dem Vorbehalt \u00c3\u00bcberweisen, dass der Schachclub in der ersten Bundesliga bleibt. Bis zum 30. April hatten wir die Spendenaktion befristet, weil sich der Verein sp\u00c3\u00a4testens bis zum 1. Mai erkl\u00c3\u00a4ren musste, ob er von seinem Spielrecht in der Belle Etage Gebrauch machen w\u00c3\u00bcrde. Und die Gelder flossen langsam, aber stetig\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\nDie \u00c3\u0153berraschung Nr. 5 kam w\u00c3\u00a4hrend unserer letzten beiden Heimspiele auf mich zu. Der Gro\u00c3\u0178teil der Mannschaft reiste wie \u00c3\u00bcblich schon am Freitag an. Ohne dass wir Funktion\u00c3\u00a4re dieses Thema angesprochen hatten, signalisierten einige Aktive von sich aus, dass auch sie bereit seien, einen Beitrag zur Konsolidierung der Vereinsfinanzen zu leisten. Ein Vorschlag  aus dem Kreis der Spieler lautete, f\u00c3\u00bcr ein Match auf das (Anmerkung des Verfassers: ohnehin bescheidene) Honorar zu verzichten. Eine andere Variante bef\u00c3\u00bcrwortete eine moderate Absenkung der Bez\u00c3\u00bcge f\u00c3\u00bcr alle Aktiven. Wie immer diese Diskussion letztlich enden wird, zeigt sie doch sehr eindrucksvoll, dass die bisherige Personalpolitik des SC Eppingen hundertprozentig richtig war: Noch nie hatten wir \u00e2\u20ac\u017eWanderv\u00c3\u00b6gel\u00e2\u20ac\u0153  oder solche Spieler verpflichtet, die anstelle des Tagesgru\u00c3\u0178es am Brett als allererstes Wort \u00e2\u20ac\u017eRemis\u00e2\u20ac\u0153 von sich geben. Teamchef Hans Dekan hatte sein Augenmerk stets auf solche  Aktive gerichtet, die zu auch uns passen und die sich ohne wenn und aber f\u00c3\u00bcr den Verein einsetzen.<br \/>\nKassenwart Wolfgang Geiger hielt mich die ganze Zeit hinsichtlich der Spendeneing\u00c3\u00a4nge auf dem Laufenden. In der dritten Aprildekade war klar, dass die Aktion auf alle F\u00c3\u00a4lle in den erhofften Erfolg m\u00c3\u00bcnden w\u00c3\u00bcrde. F\u00c3\u00bcr die meisten Verantwortlichen war es denn mehr eine rhetorische Frage, als sie im Rahmen der eigens anberaumten Sitzung ihr Votum hinsichtlich der Fortsetzung unserer Bundesligazugeh\u00c3\u00b6rigkeit abgaben. Mit dieser Empfehlung ging die Vorstandschaft  am n\u00c3\u00a4chsten Abend auch in die Generalversammlung gehen.<br \/>\nAm n\u00c3\u00a4chsten Tag erlebte ich unmittelbar vor der Mitgliederversammlung die \u00c3\u0153berraschung Nr. 6: Ich selbst war noch mit dem Aufbau meines Laptops und eines Beamers befasst, weil ich meinen Bericht in Form einer PowerPoint-Pr\u00c3\u00a4sentation halten wollte. Deshalb begr\u00c3\u00bc\u00c3\u0178te ich nur kurz einen alten Bekannten, der offensichtlich an der T\u00c3\u00bcr zum Nebenzimmer auf jemanden wartete. Offenbar hatte er sich dort mit Hans Dekan, dem Coach unserer \u00e2\u20ac\u017eErsten\u00e2\u20ac\u0153, verabredet. Kurz bevor ich die trotz der dramatischen Begleitumst\u00c3\u00a4nde unterdurchschnittlich besuchte Zusammenkunft  er\u00c3\u00b6ffnete, raunte Hansi mir zu, dass unser gemeinsamer Bekannter dem SCE soeben einen vierstelligen Betrag gespendet habe\u00e2\u20ac\u00a6<br \/>\nFazit: Obwohl der \u00e2\u20ac\u017eGang nach Canossa\u00e2\u20ac\u0153 den Vereinsoberen des Schachclubs Eppingen und mir pers\u00c3\u00b6nlich sicherlich nicht leicht fiel, war dieses Outing aus heutiger Sicht der einzig richtige Schritt! Wir haben inzwischen das angestrebte Ziel sogar noch deutlich \u00c3\u00bcbertroffen! Die vielf\u00c3\u00a4ltigen Beweise der Solidarit\u00c3\u00a4t aus dem Verein, der Fachwerkstadt sowie aus den umliegenden Regionen Kraichgau und Franken werten die Verantwortlichen des Vereins aus der kleinsten Bundesligastadt  als glasklaren Auftrag, das Kapitel \u00e2\u20ac\u017eErste Bundesliga\u00e2\u20ac\u0153 auch in Zukunft fortzusetzen. Ich darf mich \u00e2\u20ac\u201c auch im Namen aller Vorstandskollegen \u00e2\u20ac\u201c an dieser Stelle nochmals ganz herzlich bei unseren Mitgliedern, Sponsoren, Freunden und G\u00c3\u00b6nnern f\u00c3\u00bcr die Unterst\u00c3\u00bctzung bedanken. Sie alle gaben uns eine Steilvorlage, sie zu verwerten, das ist nun unsere Aufgabe\u00e2\u20ac\u00a6<\/p>\n<p>Rudolf Eyer<br \/>\n1. Vorsitzender<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8211; oder das Protokoll einer vereinsst\u00c3\u00bctzenden Finanzkrise Rund 12 000 \u00e2\u201a\u00ac (einerseits ganz sch\u00c3\u00b6n viel Geld, andererseits auch wieder nicht..) erh\u00c3\u00a4lt umgerechnet jeder Grieche aus den T\u00c3\u00b6pfen der EU zur Sanierung des hellenistischen Staatshaushalts. 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