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Schachbundesliga e.V.

Randnotizen vom Bundesliga-Wochenende am 17. und 18. März 2012 in Eppingen

(beobachtet und zu Papier gebracht von dem Eppinger Vereinschef Rudolf Eyer)

 Unser Aufbaukommando staunte nicht schlecht, als am Samstagvormittag – rund drei Stunden vor Spielbeginn – der erste Schachfan aus dem Pott in der „Hardwaldhalle“ aufkreuzte: Christian Ewers hatte das Gastspiel seines Vereins Hansa Dortmund zu einem Trip in den Südwesten der Republik genutzt. Nach einem Aufenthalt in Heidelberg fuhr er knapp 50 km weiter Richtung Süden in die Kraichgaumetropole Eppingen. Auch wenn er sich im Beginn der Kämpfe geirrt hatte, langweilig wurde es dem leidenschaftlichen, ca. 1800 DWZ-Punkte „schweren“ Schachspieler nicht. Da wir mit dem Aufbau nahezu fertig waren, fand sich schnell ein Blitzpartner…
 Zum ersten Mal in dieser Saison konnten die Fans unsere beiden Neuzugänge im Team, Pentala Harikrishna und Dr. Victor Bologan, live am Brett erleben.
Der 25-jährige Inder kam mit dem Gewinn der B-Gruppe in Wijk aan Zee (Holland)
und dem unangefochtenen Gesamtsieg im 28. Open von Capelle la Grande
(Frankreich) in den Kraichgau. Und er machte genau das, wofür er vom SCE
verpflichtet worden war: Die aktuelle Nummer 71 der Top Hundred des Weltschachs
deckte das Spitzenbrett ganz sicher und eindrucksvoll ab und geriet nie in Nachteil.
Sieben Plätze weiter vorne in der Weltrangliste rangiert aktuell Dr. Victor Bologan.
Der 40-jährige promovierte Großmeister aus Moldawien feierte mit zwei imposanten
Siegen ein eindrucksvolles Heimdebüt. Victor kennt sich aber nicht nur auf den 64
Feldern aus, er beherrscht gleich sechs Sprachen auf ein Mal. Kein Wunder war er in
der Fachwerkstadt ein gefragter Gesprächspartner…
 Um ein Haar wäre ich am Sonntag mit dem Jugendschutzgesetz in Konflikt geraten, ohne es zu ahnen: Samstags platzierten die Damen unseres Serviceteams für jeden Aktiven und die Teamchefs jeweils ein diskret in blaues Papier eingeschlagenes Fläschchen Rotwein an ihre Plätze (die „Heuchelberg-Weingärtner“ zählen bekanntlich zu den Unterstützern der Kraichgauer). So sollte es auch sonntags mit einer Bügelflasche „Unser Bestes“ der Eppinger Privatbrauerei „Palmbräu“ geschehen, was die guten Feen aber vergessen hatten, als Schiri Dr. Markus Keller die Partien freigab. In großer Eile und nach Absprache mit ihm stellte ich jeweils zwei Fläschchen Pils auf die Tische – auch an Brett 8, an dem Zoltan Medvegy auf Matthias Blübaum traf. Was mir nicht bekannt war: Der junge Mann ist erst 14 Jahre alt und darf noch keinen Alkohol konsumieren. Aber zu meiner Ehrenrettung sei gesagt, dass man ihn durchaus für sechzehn halten kann und eine ELO-Zahl von rund 2400 Punkten ist ja auch nicht gerade typisch für einen 14-Jährigen. Außerdem ließ der Youngster nach Partieende den Gerstensaft unangetastet zurück.
 Auch an diesem Wochenende lud der SCE seine Freunde und Sponsoren am Rande der Samstagsbegegnung zu einem kleinen Empfang ein. Dieses Mal konnte ich erfreulicherweise etliche neue Gesichter in der Runde begrüßen. Als treuer Fan ließ es sich Oberbürgermeister Klaus Holaschke nicht nehmen, das Spielgeschehen persönlich zu verfolgen. Von dieser Unterstützung zeigte sich auch der Hockenheimer Ehrenpräsident Dieter Auer beeindruckt, der sich solche Verhältnisse – bislang freilich vergeblich – auch in der Rennstadt wünscht. Mit einem Augenzwinkern empfahl das Eppinger Stadtoberhaupt, auf seinen dortigen Kollegen zuzugehen, weil der mitten im Wahlkampf steckt, in wenigen Monaten wieder gewählt werden möchte und deshalb momentan eher zu Zugeständnissen bereit sein könnte…
 Vermutlich nicht in bester Erinnerung wird Arik Braun das Match gegen Wattenscheid behalten. Er hatte sich an Brett 6 mit den weißen Steinen gegen GM Handke eine schöne Stellung erarbeitet. Weil er seinen Vorteil schwinden sah und angesichts seiner komfortablen Bedenkzeit, schaute er im 39. Zug etwas tiefer in seine Partie – und vergaß dabei völlig die Schachuhr. Es kam, wie es kommen musste: Auch wenn der Zeiger steht, die Zeit vergeht! Nicht nur sein Mannschaftskollege Namig Guliyev beobachtete, wie auf der Uhr die letzten Sekunden herunterliefen und Arik die Bedenkzeit überschritt. Natürlich wurde der ehemalige Deutsche Meister beim abendlichen Mannschaftsessen deshalb etwas aufgezogen. Wer den Schaden hat, spottet jeder Beschreibung …oder wie ging der Spruch doch gleich…?
 „Schach total“ war am Sonntag angesagt, als in der „Hardwaldhalle“ zusätzlich das Match der Oberliga Baden Eppingen 2 – SF Andersen Bad Mergentheim ausgetragen wurde. Die Badestädter standen bereits als Meister und Aufsteiger in die 2. Bundesliga fest. Dennoch traten sie in stärkster Besetzung (u.a. mit drei GM und drei IM) an. Die Eppinger Reserve wehrte sich tapfer. Angesichts der 2,33 : 5,67 Prognose für die Gäste durfte der Eppinger Pressereferent Dietmar Gebhard in seinem Bericht durchaus von einer ehrenvollen Niederlage sprechen. Jetzt muss die Eppinger Zweite unbedingt in der Schlussrunde punkten, um vielleicht doch noch den Klassenerhalt zu schaffen.

Rudolf Eyer

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